Fatigue – Die unsichtbare Erschöpfung
Viele unserer Patient:innen berichten von einer tiefen, anhaltenden Müdigkeit, die sich nicht durch Schlaf oder Ruhe bessert. Diese sogenannte Fatigue ist mehr als normale Erschöpfung – sie ist eine der häufigsten und belastendsten Nebenwirkungen von Krebs und seinen Therapien.
Text: Gina Wigger
Geprüft: Dr. med. Stefanie Stirnberg
Lesezeit: 5 Minuten

Was ist Fatigue?
Fatigue beschreibt eine extreme körperliche und geistige Müdigkeit, die den Alltag stark einschränken kann. Betroffene fühlen sich ausgelaugt, kraftlos und oft auch mental erschöpft. Selbst einfache Aufgaben wie Einkaufen oder ein Gespräch können zur Herausforderung werden. Anders als normale Müdigkeit verschwindet Fatigue nicht einfach nach einer Nacht Schlaf.
Warum tritt Fatigue auf?
Fatigue entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die Krebstherapie selbst spielt eine grosse Rolle: Chemotherapie, Bestrahlung oder antihormonelle Behandlung belasten den Körper und verändern Stoffwechsel und Hormonhaushalt. Hinzu kommen psychische Belastungen, Schmerzen, Schlafstörungen oder Blutarmut. All das führt dazu, dass die Energiereserven nicht mehr so schnell aufgefüllt werden können wie früher.
Auch die Symptome sind vielfältig. Betroffene berichten von einer bleiernen Müdigkeit, die sich auch durch Ruhe nicht bessert. Konzentrationsprobleme, Gedächtnislücken und das Gefühl, selbst kleine Aufgaben nicht bewältigen zu können, gehören dazu. Oft kommt emotionale Erschöpfung hinzu – Gereiztheit, Traurigkeit, Überforderung oder das Gefühl, nicht mehr «man selbst» zu sein. Fatigue kann Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Behandlung bestehen bleiben. Es gibt aber glücklicherweise auch verschiedene Ansätze, die helfen können.
Was hilft gegen Fatigue?
Es gibt kein «Wundermittel», aber verschiedene Strategien können helfen:

- Bewegung: Regelmässige, moderate Aktivität wie Spazierengehen oder leichtes Training kann die Symptome deutlich lindern.


- Schlafhygiene: Feste Schlafzeiten und eine ruhige Umgebung fördern erholsamen Schlaf.

- Psychologische Unterstützung: Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass auch Gespräche mit Fachleuten oder Selbsthilfegruppen entlastend wirken können.

- Gesunde Ernährung: Ausgewogene Mahlzeiten unterstützen den Energiehaushalt.

- Akupressur: Der Druck auf spezifische Punkte harmonisiert den Fluss der Lebensenergie und aktiviert die Selbstheilungskräfte.

- Struktur im Alltag: Genügend Pausen einplanen und lernen, Prioritäten zu setzen. Man muss nicht (mehr) immer alles gleichzeitig und sofort erledigt haben wollen.
Fazit
Fatigue braucht Verständnis, Geduld und gezielte Massnahmen. Mit der richtigen Unterstützung lernen unsere Patient:innen, besser damit umzugehen und wieder Kraft für die schönen Dinge im Leben zu gewinnen.


